Über Kühe bloggen

Schmink-Blog, Ernährungs-Blog, Fitness-Blog…

Ja, kennen wir alle. Zu Genüge. Aber wer kennt denn eigentlich Blogs, in denen es um Kühe geht?

Zum Glück gibt es Menschen, die sagen sich: Mir sind Kühe wichtiger als Mascara. Auch wenn man damit zweifelsohne weniger Geld verdienen kann… Doch ihnen geht es eben um was anderes, als Geld. Selbstdarstellung & Co. Sie wollen etwas verändern, und sei es die Veränderung im Kleinen. Zum Beispiel Menschen zum Nachdenken, bestenfalls zum „Nachfühlen“ bringen.

Und ein ganz besonderes Beispiel möchte ich Euch hier vorstellen – es ist die Geschichte von Kerstin, einer „normalen“ jungen Landwirtin, die mit ihrer Familie auf einem klassischen Hof im südlichen Niedersachsen lebt.

„Der kleine Ochse Happy“

„Der kleine Ochse Happy“ – das ist der Name einer tierischen Persönlichkeit, die erst Pech und dann verdammt viel Glück hatte. Kerstin hat ihm zu Ehren einen eigenen Facebook-Blog ins Leben gerufen. Dieser Blog ist herzerwärmend und persönlich gestaltet und schreibt über das Zusammenleben und die Freundschaft eines kleinen Ochsen (Rotes Höhenvieh) und einer Australian Shepherd Hündin.

Ich bat Kerstin, mal ein wenig aus dem Hintergrund dieser wunderschönen Geschichte und der Idee des Blogs zu erzählen. Und Happy’s Leben begann folgendermaßen:

„Dieses Frühchenkalb hatte damals bei seiner Geburt eigentlich keine Chance. Es war derart unreif, kaum lebensfähig. Und die Mutter wollte das Kalb so nicht akzeptieren, ihre Instinkte sprangen einfach nicht an.“

Kerstin aber spürte, dass das Tier leben will. Ihre ganze Familie engagierte sich: Kerstin ist damals, so erzählte sie mir, alle 3 bis 4 Stunden aufgestanden, das ging gute drei Monate lange so. Und dann geschah das Unglaubliche: Die damals noch recht junge Australian-Shepherd-Hündin Ka’ena adoptierte dieses kaum lebensfähige Kälbchen! Die Hündin massierte seinen Bauch, so dass die Verdauung ansprang, lief mit ihm über den Hof, und stärkte so die von Geburt an viel zu schwachen Sehnen. In der Brust von Kerstin schlugen zwei Herzen:

„Das Kälbchen wurde immer zutraulicher, und meine Familie und ich fragten uns: Was nur soll jetzt mit ihm geschehen? Denn leider war es ja ein Bullenkalb und hätte nicht mehr auf die Weide gekonnt. Es war zu klein und ohne Mutterkuh wäre es auf konventionellem Wege in die Mast gegangen. DAS aber haben wir nicht über unser Herz gebracht. Also liessen wir ihn kastrieren. Als Ochse trainierten wir ihn: Spazieren gehen am Halfter, aufs Podest steigen … der keine Ochse zeigte sich mehr als lernwillig. Und die Freundschaft zwischen Ochse und Hündin blieb und intensivierte sich.“

Besonders die Freundschaft zwischen Ka’ena und Happy beobachtete Kerstin aufmerksam:

„Anfangs wusste ich absolut nicht, dass so eine Freundschaft zwischen Ochse und Hund so aussergewöhnlich ist!“

Und ihr fiel generell auf, wie wenig Menschen eigentlich über Rinder wissen. Einen Aha-Moment hatte sie auf einer Veranstaltung, auf der sie mit Happy und Ka’ena war:

Wir hatten Happy, da war er vier Monate, mit zu einem großen Schäfer- und Hütefest mit ca. 8000 Besuchern genommen. Hier trat er als Botschafter der alten Haustierrasse „Rotes Höhenvieh“ auf. Aufgrund des großen Interesses und der Vielzahl der Gespräche stellte ich fest, wie wenig die Leute tatsächlich über Rinder wissen…Und da war dann eben die Idee entstanden, über Happy und Wissenswertes über Rinder allgemein zu schreiben.“ 

Welcher Erfahrungen hast du mit Deinem Blog gemacht? Möchte ich von Kerstin wissen. Und sie antwortet:

„Also im Prinzip ist das jetzt nichts Neues, so etwas gibt es im Netz schon zuhauf, aber meist von „Gnaden- oder Lebenshöfen“. Viele von ihnen lassen die Landwirte meist in keinem guten Licht stehen. Wir betreiben jedoch eine (noch) konventionelle Landwirtschaft und das ist wiederum selten, dass so ein zahmer Ochse in einer Mutterkuherde mit Deckbullen lebt. Für mich artgerechter als z.B. in einer Box auf einem Pferdehof.“

Ich kann ihr nur beipflichten, was die Boxenhaltung anbelangt. Bis heute ist für mich nicht ersichtlich, wie man an Pferd, das ca. 22 Stunden am Tag wandert und kontinuierlich Raufutter aufnimmt, in eine Box sperren kann mir 3 Mahlzeiten am Tag! Absurd! Aber zurück zu Kerstin und ihren Erfahrungen:


„Anfangs hatten wir schon ein paar unschöne Kommentare, aber inzwischen kommt dies nur noch sehr selten vor. Die Mehrheit der Leute – egal ob Veganer oder Fleischkonsument – reagieren positiv über unsere Seite ☺.“ Und so soll es weitergehen, Fotos von den beiden tierischen Freunde, Wissen über Rinder ( z.B. welche Urinstinkte unsere Rinder heute noch haben…) und Aktuelles bzw. Komisches 😀…“

Das eben finde ich besonders toll: Immer mehr Menschen wollen sehen, wie vermeintliche „Nutz“ Tiere eigentlich leben, fühlen, denken und handeln. Solche Blogs ermöglichen es aus erster und liebevoller Hand! Ernährungsideale treten in den Hintergrund, es geht darum, sich vollkommen neue Eindrücke zu verschaffen und dann ggfs. sein (Ess-) Verhalten entsprechend achtsam anzupassen.

DANKE, Kerstin, für Deine schöne und wertvolle Arbeit!

Leute, hier reinschauen und wirken lassen:

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