Warum heute weidegefunkt wird

weidefunk: Orientierung, Hintergrundwissen, Vernetzung rund um artgerechtes Essen

weidefunk möchte die positiven Geschichten und Neuigkeiten aus der wachsenden artgerechten Landwirtschaft erzählen. Und sie erzählen lassen, also Menschen zusammenbringen und Gespräche zwischen ihnen fördern: Verbraucher:innen, die Fleisch, Milch & Co. aus artgerechter Quelle suchen, mit Anbieter:innen, die diese Produkte anbieten und persönlich hinter ihrem Handeln stehen.

Einladende Einblicke in das Tun engagierter Menschen, verbrauchergerechte Orientierung, Verstehen von Zusammenhängen und Bedingungen. Das ist die Aufgabe von weidefunk in aller Kürze. Was wirklich dahinter steht, kannst Du in ausführlicheren Worten hier lesen: 

weidefunk: Sollten wir nicht selbst mit dabei sein, wenn etwas wirklich verändert werden muss?

Als Konsumgesellschaft haben wir uns im Laufe der Jahrzehnte von der Landwirtschaft komplett wegbewegt; sie als ein produzierendes Gewerbe wie jedes andere in den Wahrnehmungshintergrund bugsiert. Wir haben nicht mehr hinterfragt, was geschehen darf. Und was auf keinen Fall. Das war gut für die Industrie. Und schlecht für unzählige Landwirt:innen, Metzgereibetriebe und vor allem: für die Tiere.

Genau wie in der Klimadiskussion, haben wir als Einzelner in der „Fleischfrage“ nicht alles in der Hand. Aber eben doch mehr, als wir im Alltag vielleicht so denken. Solange Tiere konsumiert werden, wird es auch einen Markt dafür geben. Aber es ist ein Irrtum zu glauben, es gäbe „den einen Markt“. Genauso, wie es „die Landwirtschaft“ gibt.  

Nein, jeder einzelne Mensch trifft täglich – häufig sogar mehrfach – die Entscheidung, was er bei wem einkauft. Aus welchen Quellen Fleisch, Milch & Co. bezogen werden. Wer mag da abstreiten, dass wir nicht ständig im Kleinen die Chance hätten, den einen für uns vertretbaren Markt zu stärken? Und das können wir, da es Menschen gibt, die Tieren ein besseres Leben zu geben versuchen, als es die Industrie vorsieht. Auch wenn am Ende des Tages auch auf diese Tiere der Tod wartet, so bemühen diese Menschen sich, dass die Schlachtung bestenfalls der negativste Tag in ihrem Leben wird. Aber sie davor „artgerecht“ leben durften.

Zu naiv? Mag sein. Aber ein Anfang. Und weidefunk will den Blick auf all das Positive richten, was sich bereits entwickelt. Auch wenn es – noch – verhältnismäßig klein ist. Der Journalist Bernd Ulrich hat in einem Beitrag in der ZEIT vom 25. April 2018 zur industrialisierten Tierhaltung geschrieben:

„Braucht dieses Land nicht einen Umgang mit Tieren, dessen Anblick es auch ertragen kann?“

Ich finde, das hat er stark ausgedrückt. Essen wir kein Fleisch, hilft keine Beschimpfung der Menschen, die es tun. Sonst hätte sich längst etwas geändert, und die Zahlen zur Massentierhaltung wären erfreulichere. Essen wir aber Fleisch, so lasst uns darüber reden, wie wir es vertreten können.

Nein, wollen wir den Anblick von Tieren in der Lebensmittelproduktion nicht nur ertragen, sondern vielleicht auch irgendwann vertreten können – dann müssen wir darüber reden, wie das aussieht. Und die unterstützen, die bereit sind es umzusetzen. Verbesserungen entstehen in einer modernen Gesellschaft selten durch moralische Appelle. Sie entwickeln sich erstaunlich häufig, indem ein Mensch es für richtig hält und vor allem sieht, in welch kleinen Schritten etwas wirklich bewegt werden kann.

Sind die Probleme zu groß, will keiner ran. Fleischverbote, Vegetarismus & Co. sind häufig zu große Ziele, die die Menschen dann als zu weit weg empfinden. Obwohl sie in einer stillen Minute durchaus sehen, welches Leid sie damit verhindern könnten. Erhält ein Mensch aber die Möglichkeit, Dinge im Kleinen zu verändern, vielleicht bei nur jedem 3. oder 4. Einkauf darauf zu achten, aus welchen Quellen Fleisch, Milch & Co. stammen, welche Ursprungsgeschichte ihnen also zugrunde liegt, dann wäre eine Menge erreicht.

David Seitz hat mal gefordert, dass wir neue Vokabeln bräuchten, er könne das Wort „artgerecht“ nicht mehr hören. Damit trifft er es gut. Ja, wir müssen sprechen. Der weidefunk verdient seinen Namen tatsächlich der sehr festen Überzeugung, dass die Festlegung, was eine artgerechte Tierhaltung bedeutet, nicht allein in den Händen von Politik und Wissenschaft liegen sollte. Das wird unsere Aufgabe sein. Wir sollten uns darüber austauschen, was und wer die kleinen Schritte ermöglicht.

Keine Fachdiskussion, eher so ein Flurfunk. Oder eben Weidefunk.

Wo zum Beispiel Fleisch aus guter Quelle bezogen werden kann, und man diesen Einkauf ebenso als bequem empfindet. Denn neben dem Preis ist die Bequemlichkeit der Menschen eines der stärksten Argumente, warum heute noch häufig zu Industriefleisch gegriffen wird. Daher braucht es auch neue Zugänge zu den Lebensmitteln, die wir vertreten können.

Der Wunsch: Bequemes Einkaufen artgerechter tierischer Erzeugnisse. Und ein ernsthafter Konkurrenzmarkt wäre eröffnet. Wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, dann müssen wir uns selbst einmischen. In diesem Sinne freut sich der weidefunk auf Menschen, die ehrlich was verändern wollen. Im Großen oder im Kleinen ist zum heutigen Zeitpunkt erst einmal zweitrangig, wenn nur möglichst viele den allerersten Schritt gehen. 

Die, die mit dem weidefunken anfangen

Hinter dem weidefunk steht ein kleines interdisziplinäres Team, ohne das es den Versuch eines gemeinsamen weidefunkens nicht geben würde: andershandelnde Unternehmer, musterunterbrechende Kreative und querdenkende IT-Spezialisten. Großer Dank geht an alle, die am weidefunk gesägt und gebastelt haben! Unermüdlich und einfach toll: Alex, Thomas, Zetti, Juliane, Sarah und Theo!

Als ein unabhängiges Blog-Magazin wird der weidefunk derzeit ausschliesslich durch private Trägerschaft finanziert, später durch Spenden und einem maßvollen, den Themen und ethischen Absichten von weidefunk angemessenen Sponsoringkonzept. Die Gründerin von weidefunk ist Inga Ellen Kastens. Wer mehr erfahren möchte: hier geht’s zur Hintergrundgeschichte.