Von der „normalen“ Verbraucherin zur Nachdenkerin – Wie der Weidefunk meinen (Essens-) Alltag verändert hat

Typisch

Noch vor zwei Jahren, hätte man mich wohl als typische, eben normale Verbraucherin bezeichnet. Zwar habe ich schon damals einen großen Teil meines Fleisches beim (Bio)-Metzger oder im Hofladen gekauft, Bio-Milch und Bio-Eier waren für mich selbstverständlich. Jedoch landeten in meinem Einkaufswagen halt auch Wurst oder eine Salamipizza.

Alltag lässt schnell vergessen

Du kennst das doch: Du gehst spät abends nach der Arbeit nochmal fix in den Supermarkt, eher mit dem Gedanken zu Hause noch schnell etwas essen zu wollen, als mit dem Gedanken woher das Fleisch kommt, dass überall in den Produkten zu finden ist. Je mehr es verarbeitet ist, desto weniger denkt man darüber nach, wahrscheinlich, weil es hier besonders einfach ist. 

Aber wohl gerade dort stellte sich mir zunehmend die Frage, inwieweit ich in manchen Gerichten und Produkten überhaupt Fleisch benötige? 

Klassische Situation

Ich muss beruflich immer mal wieder länger reisen. Und einmal stehe ich in Mannheim am Bahnhof mit dem Wissen, jetzt nur noch 20min Zeit zu haben, etwas zu essen zu finden. Danach sitze ich stundenlang im Zug. Ich reihe mich in die Schlange einer Fast-Food-Kette ein – um sie wieder zu verlassen. Aber ich habe Hunger! Also wieder rein in die Schlange. Aber der Gedanke lässt mich nicht los: „Mann, muss das jetzt wirklich sein? Bei so einer Firma? Ich weiss doch, wie das Fleisch hergestellt wird….“ Es ließ mich nicht mehr los und ich verließ die Schlange zum zweiten und letzten Mal. 

Denkanstoß

Zu dieser Zeit hatte ich mich immer öfter mit dem Gedanken auseinandergesetzt, den der Weidefunk vor ca. einem Jahr angestoßen hatte: „Was glaubst Du, würde sich ändern, wenn jeder in Deutschland bei nur jedem 5. Einkauf bewusst einmal darauf achtet, wo Fleisch und Milch herkommen?“

Mich hat er dazu gebracht, bewusster auf die Produkte zu schauen, die ich kaufe. Und so fing ich an, in kleinen Schritten mein Einkaufsverhalten zu verändern. Angefangen mit veganer Wurst statt Salami, verzichtete ich Stück für Stück darauf, Fleischprodukte zu kaufen und kochte auch immer öfter einfach mal ohne Fleisch. Im meinem Fall war es ein langsamer Prozess, der durch immer mehr hinterfragen fast nebenbei passiert ist. Und wenn ich Fleisch aß, dann sorgte ich zunehmend dafür, es im bei uns zum Glück sogar nahegelegenen Hofladen einzukaufen. 

Nicht radikal – und deswegen im Alltag umsetzbar

Es gab nie den Punkt, an dem ich gesagt habe: „Ich esse jetzt kein Fleisch und keine Fleischprodukte mehr!“ Es war viel öfter der Gedanke: „Hey – brauche ich jetzt wirklich Fleisch in meinem Essen, oder schmeckt die Bolognese auch genauso gut ohne oder mit veganem Hack?“. Mittlerweile esse ich wirklich wenig Fleisch, es ist wieder was Besonderes geworden. Und wenn, dann nur, wenn ich echt etwas über die Quelle weiß! Tja, und da ist ja noch das Thema „Milch“. Ich esse immer noch Käse. Aber die Milch für meinen Kaffee habe ich konsequent durch Hafermilch ersetzt. 

Das eigene Tempo und Maß finden

Je mehr ich mich durch den Weidefunk mit den herrschenden Zuständen in der Fleisch- und Milchindustrie beschäftigte, desto mehr habe ich für mich entschlossen, dass ich das so nicht mehr unterstützen möchte. Ich denke, dass es dabei kein falsch und richtig gibt, sondern jeder seinen eigenen Weg und sein eigenes Tempo dafür finden kann. 

Und auch bei mir gab es (mit abnehmender Frequenz) immer mal wieder Tage, an denen ich Fleisch aus mir unbekannter Quelle gegessen habe. Ganz ehrlich, ich finde das auch ok! Es ist schließlich ein Prozess und man kann schwierig von heute auf morgen seinen kompletten Alltag umkrempeln. 

Je mehr ich darauf verzichtet habe, oder eine vegane Alternative entdeckt hatte, desto weniger wollte ich überhaupt Fleisch essen. So oft habe ich erlebt und mich gefreut, dass es ohne genauso gut oder sogar auch besser schmecken kann. 

Gedankengänge, die mir guttun

Heute gehe ich anders durch den Supermarkt als noch vor ein paar Monaten. Dadurch fallen einem nebenbei noch viele andere Sachen auf, um die man sich früher weniger Gedanken gemacht hat, z.B. wo überall Palmöl drin ist und ob man nicht auch ein gleiches Produkt ohne findet. Ich habe dadurch in dem letzten Jahr sehr viel umgestellt und kann sicherlich noch vieles konsequenter machen. Käse ist für mich eben so ein großes Thema und ganz darauf verzichten möchte ich einfach nicht. Ich versuche stattdessen an anderer Stelle Milchprodukte wegzulassen oder zu ersetzen, z.B. koche ich nun nicht mehr mit Sahne, sondern mit einem veganen Äquivalent auf Sojabasis und esse zum Frühstück Jogurt aus Kokosnuss. 

Ich habe für mich persönlich nicht das Ziel einmal komplett vegan/vegetarisch zu leben, sondern mit mehr Bewusstsein einzukaufen und zu konsumieren. Ich habe an mir selber gemerkt, dass ein weiterer Skandal in Fleischindustrie nichts ändert. Man ist kurz schockiert und fragt sich, wieso das in Deutschland möglich ist?! Genauso schnell hat man es aber auch wieder verdrängt. 

Und ja, isst sein Schweineschnitzel in der Kantine zum Mittag. Aber ein banaler Gedanke – wie: „Eine Kuh muss ein Kalb bekommen, um Milch zu geben. Was passiert aber mit den Kindern, für die die Milch eigentlich gedacht ist.“ – hat bei mir etwas bewirkt! Schaut man dann noch die vielen tollen Geschichten von Menschen an, die es bereits anders machen, hat mich überlegen lassen, was ich tun kann. 

Ich unterstütze den Weidefunk menschlich und thematisch

Am Anfang wollte ich vor allem die WeidefunkerInnen unterstützen. Mit Inga, Sarah, Juliane und Lioba bin ich schon länger befreundet. Keine von ihnen hat mich je missioniert oder ähnliches. Je mehr ich dann involviert wurde, die ersten Male auch zu den Touren mitreiste, desto mehr habe ich erkannt, wie wichtig und richtig der Weidefunk ist. 

Ich war beeindruckt, mit wieviel Überzeugung und Positivität diese Menschen versuchen, es anders, eben besser zu machen und dabei so offen uns gegenüber ihre (Lebens-)Geschichte erzählen. Zudem habe ich an mir selber erlebt, was immer wieder kleine Denkanstöße in einem selbst echt bewirken können. 

Mich hat der Weidefunk zum Nachdenken und zur Veränderung angeregt und ich hoffe, dass wir in Zukunft noch weitere Menschen erreichen, die vielleicht – genau wie ich – anfangen, kleine Dinge in ihrem Einkaufswagen zu ändern. Das sind die Menschen, die ich unterstützen möchte!

Danke, dass Du bei uns bist!

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