test

Muttergebundene Kälberaufzucht (Teil I): Warum mehr Kälber ihre Mütter kennen sollten.

Ein Blick in den Stall der jungen Tiere

In unserer Rubrik „Gute Milch“ fiel es immer wieder als Stichwort: die Aufzucht der Kälber in der Milchviehwirtschaft. Wir wollen uns ein wenig mehr damit beschäftigen, denn kaum jemand weiss überhaupt, wie die Aufzucht eines Kalbes in einem Großteil der Landwirtschaft vonstatten geht. Einige machen es schon anders, weit tiergerechter. Diesen wollen wir uns widmen; zuvor aber ein wenig auf den Status Quo eingehen.

Was viele wahrscheinlich überhaupt nicht wissen: Kälber schlafen zum Teil nur eine Nacht im selben Stall wie das Muttertier. Auf die Milch im Euter der Mutterkuh haben sie auch nur begrenzt Anrecht, eine Tränke aus Plastik gilt als gleichwertiger Ersatz. Gesetzlich gibt es zu dieser Ausgestaltung der Viehhaltung keine Einwände. Im Sinne der Tierethik ist Kälberaufzucht ohne Muttertiere zwar umstritten, im Alltag der Milchbauern:innen allerdings bei wenigen Ausnahmen die Norm. Welche Gründe die Landwirte:innen dazu bewegen und wie die Kälber auf die Trennung reagieren erfahrt ihr im folgenden Weidefunkt-Beitrag. Infos über die Vorteile der muttergebundenen Kälberaufzucht erhaltet ihr im zweiten Teil der Serie zu Haltungsformen bei Kühen.

Nur vier Prozent der Kühe kennen ihre Kälber

Egal ob Milchbauern:innen von Bioland, Naturland oder Demeter zertifiziert sind, Vorgaben für das Familienglück der Kühe existieren nicht. Die Siegel stellen zwar eine ausgewogene Fütterung und Laufställe mit ganzjährigem Zugang zu Laufhöfen oder Sommerweiden dar, allerdings sind Betriebe, bei denen die Kälber zusammen mit Ihren Müttern aufwachsen dürfen deutlich in der Minderheit. Lediglich vier Prozent der Betriebe, die ihre Milch unter den aufgezählten Vorgaben vermarkten, lassen Kuh und Kalb mehr als eine Woche Zeit zusammen. Spätestens dann muss das Kalb zu einer Ammenkuh oder an die Plastikzitze der Tränke. Aus Konsumentensicht ist diese Praxis grenzwertig. Aufseiten der Landwirtschaft sprechen allerdings einige Faktoren für die Beibehaltung der Kälberaufzucht ohne Muttertiere.

Ställe für Milchkühe sind nicht auf Kälber ausgelegt

Die Jungtiere sollen vor Keimen der älteren Kühe behütet werden. Da das Immunsystem der Kälber noch nicht komplett entwickelt ist, kann es leicht zur Übertragung von Krankheiten kommen. Gleichzeitig brauchen Kälber nach ihrer Geburt einen gänzlich anderen Lebensraum, als eine durchschnittliche Milchkuh zur Verfügung hat. Ställe für Milchkühe sind nicht auf die Unterbringung von Kälbern ausgelegt. Sie erfüllen andere Anforderungen an die Haltung und sind außerdem auf einen reibungslosen Melkvorgang ausgerichtet. So brutal es klingen mag, Kälber stören bei der industriellen Milchproduktion.

Übliche Meinung: Milchkühe gehören an die Melkmaschine. Nicht zu ihren Kälbern

Abschließend oder vorweg allem sind die Mächte des Markts im Spiel. Denn nach der Geburt eines Kalbs soll die Mutterkuh schnell wieder Milch für die Vermarktung liefern. Für neugeborene Kälber gibt es im Austausch gegen ihre Mütter eine gehörige Ladung an Stress und Isolation von der Herde. Aus Studien ist bekannt, dass die Kälbchen durch die Haltung ohne Muttertiere unter chronischem Stress leiden. Um unter optimalen Umständen aufwachsen zu können brauchen Kälber körperliche Nähe, die Milch der Mutterkuh alleine reicht nicht. In der gemeinsamen Haltung reiben Kuh und Kalb gerne ihr Köpfe aneinander, die Mütter lecken ihre Kälber oder es wird zusammen gekuschelt. Die aktuell vorwiegende Kälberaufzucht ohne Muttertiere legt sein Hauptaugenmerk allerdings auf die Vermarktung der Milch und nicht auf eine artgerechte Haltung. Zwar werden zum Teil Ammenkühe eingesetzt, um mehrere Kälber zu säugen, aber eine soziale Entwicklung wie in der ursprünglichen Herdenstruktur der Tiere findet nicht mehr statt.

weidefunk: Auf der Suche nach denen, die es besser machen

Ein weiteres Problem bei der Kälberaufzucht ohne Muttertiere ist die höhere Krankheitsanfälligkeit der Jungtiere. Denn Kälber leiden körperlich unter der Trennung von der Mutterkuh. Zwar sind die Kälber nicht den Keimen der älteren Herdentiere ausgesetzt, andererseits ist ihr Immunsystem nicht ausreichend ausgebildet, wie es bei der Aufzucht an den Zitzen der Mutterkuh wäre. Zulasten der Tiere dominiert allerdings aktuell die Kälberaufzucht ohne Muttertiere und führt das ausbalancierte Spiel der Natur auf Holzwege. Um herdentypisch aufzuwachsen, müssen Kuh und Kalb aber über die erste Lebenswoche hinaus beisammensein.

Der Weidefunk ist den Milchbauern:innen, die solche Haltungsformen ermöglichen äußerst verbunden und sieht Wachstumspotenzial bei Höfen mit muttergebundener Kälberaufzucht. Im folgenden Artikel sind die Vorzüge der muttergebundenen Kälberaufzucht gesammelt. Auch steht ein Link zu Höfen mit muttergebundener Kälberaufzucht bereit.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein