weidefunk auf dem Hof von Carl Ahrens-Westerlage: Warum Schweine in den Offenstall gehören und sich ein Verein mit Herzblut dafür einsetzt.

Offenstall: Ein Begriff möchte für Transparenz & Tierwohl stehen

Da war sie wieder: diese Herzlichkeit … Juliane und ich waren noch nicht einmal aus dem Wagen ausgestiegen, da ging Carl mit strammem Schritt auf unser Auto zu und begrüßte uns überschwänglich. 

Carl heißt mit vollem Namen Carl Ahrens-Westerlage und führt zusammen mit seinem Sohn Carl jun. („Calli“) eine zukunftsweisende Schweinehaltung auf seinem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen: einen Offenstall für Schweine. 

Wer nun an eine Hobbyhaltung für Borstentiere denkt, liegt daneben. Knapp 1.500 Schweine werden hier gemästet. Und exakt das hat uns auf diesen Hof gezogen: Wir wollten erfahren, welche Menschen und Gedanken hinter einem Offenstall-Konzept für die Schweinemast stehen. 

Bei Familie Ahrens-Westerlage im Wohnzimmer: „Zur Tierliebe erzogen“

„Ich knüpf nur die Kontakte!“

Vor uns waren schon viele Menschen hier: Landwirte, Politiker und Umweltschützer gaben sich die Klinke des wunderschönen Herrenhauses der Familie Ahrens-Westerlage in die Hand. Carl, als er uns in das schöne alte Herrenhaus und hier ins Wohnzimmer führt. 

Ein gedeckter Tisch erwartet uns und Carl plaudert: „Mein Sohn Calli macht hier alles, ich knüpf‘ nur die Kontakte!“ Klare Untertreibung, ahnen wir. Im südlichen Deutschland ist Freilandhaltung von Schweinen nicht so ungewöhnlich, im Norden jedoch sucht man eine grunzende Nase an frischer Luft fast vergebens: Niedersachsen hat mehr Schweine als Einwohner. Und der größte Teil der Borstentiere lebt in industriellen Schweinmastgroßanlagen. 

Nein, ohne Zweifel leistet Carl mehr als „nur Kontakte knüpfen“. 

Ein Schweineleben: „Frische Luft und Platz ist doch das Mindeste“

Juliane spickt nach draußen: Mutterkühe mit Kälbern fühlen sich sichtlich wohl auf einer großen Weide, die direkt an das Wohnzimmerfenster angrenzt. Dies entgeht Carl nicht: „Meine Mutter sagte immer: Frische Luft und Platz, das brauchen Tiere. Sie hat mich zur Tierliebe erzogen“. 

Carl krempelte auf seine Weise die Schweinemasthaltung um, 18 Jahren ist das jetzt her. Klar, Kontakte gehörten dazu. Einer der wichtigsten war der Agrarbiologe Rudolf Wiedmann. Der heute über 60-jährige Landwirt las damals dessen Buch „Schweinehaltung in Außenklimaställen“. Damals lebten die Schweine von Ahrens-Westerlage in einem konventionellen Stall mit Teilspaltenböden. Aber die Familie befand dies als nicht tragbar für die Tiere. 

Offenstall „Pig-Port“: Stroh, Auslauf, Klimabilanz & Ringelschwanz

Zusammen mit dem „Schweinepapst“ Wiedmann wurden die Ställe Schritt für Schritt umgebaut. Wir erfahren die Stall-Fakten:

  • Jedes Schwein hat mit 1,5 qm doppelt so viel Platz wie in der konventionellen Schweinemast.
  • In jeden Stall gehört ein Strohbereich, in dem die Schweine ruhen, schlafen, wühlen und spielen.
  • Sonne, Regen, Wärme und Kälte, frische Luft: eine Stallseite ist stets offen,
  • Viel Beschäftigung, beginnt bei der Fütterung (Pellets fallen auf den Boden, so suchen die Schweine aktiv ihr Futter) und endet bei den Eicheln, die Gattin Elisabeth gerne mal häufiger zwischen den Schweinen verteilt. 
  • Neben dem Tierwohlfaktor haben diese Ställe einen Klimaschutzfaktor und eine gute CO2-Bilanz: Offenställe benötigen keine stromfressenden Filteranlagen und niedrige Energiekosten von weniger als 50 Cent pro Tier zeichnen die Konzeption aus. 
  • Und: Der Ringelschwanz bleibt dran! 

Ohne tatkräftige Unterstützung aus der Wirtschaft wäre es schwierig geworden 

1500 Schweine wohnen bei Ahrens-Westerlage so. Das ist weit weniger als bei anderen Schweinemästern. Aber abrücken wolle man von diesem Konzept nicht mehr. Zum Glück bekam Carl vor ein paar Jahren dann Besuch.  Es war Bert Mutsaers, Inhaber von der „Wurst- und Schinkenmanufaktur Bedford“ in Osnabrück. Er und sein kaufmännischer Geschäftsführer Carsten Leiber gesellten sich an diesem Mittag während der Hofbesichtigung zu uns. 

„Ich habe das hier gesehen und dachte: Was für ein tolles Konzept!“ so Bert enthusiastisch. Doch einfach in sein Premium-Sortiment aufnehmen konnte er das Schweinefleisch aus dem Aktivstall nicht: „Wir können den höheren Aufwand nicht einfach an den Kunden weitergeben.“ 

Es stimmt: Wer kennt schon Schweinefleisch aus Offenstallhaltung? 

Eine Idee musste her. Bert, Carsten, Carl und Calli kennen den Markt gut genug, um zu wissen: Die Bekanntheit muss her. Doch statt einer schillernden Werbekampagne wollte man langfristiger an die Sache ran. Es wurde ein Verein gegründet. 

Verein zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen e.V.: Die tatkräftige Chance für mehr Tierwohl in der Schweinemast

Hauptziel des Vereins zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen e. V. mit Sitz in Osnabrück ist es, den Bekanntheitsgrad der Offenstallhaltung als Bestandteil der konventionellen Haltung und Schweinemast zu steigern. Dafür setzen sich die Gründungsmitgliederseit dem 14.04.2016 ein. Auch Gabriele Mörixmann ist hier Mitglied. 

Die Bildung des Vereins hat viel bewirkt: Heute gehen vom Hof Ahrens-Westerlage jede Woche 40 Schweine zu Bedford, 50 gehen zu Tönnies bzw. Aldi unter dem Label: „Fair & Gut“. Durch die Kooperation mit dem Verein und dem Unternehmen Bedford gibt es für 20 Schweine pro Woche 40 Cent pro Kilo mehr. Das ist ein kleiner Schritt, aber es ist einer. 

Carsten und Carl bei einem Päuschen – bei dem natürlich direkt wieder geplant wird!

Vermarktung: „Offenstall“ als Leitbegriff für tiergerechte Haltung in die Sprache der Menschen bringen

„So habe ich das noch von meiner Mutter gelernt. Taktlos, direkt und undiplomatisch!“

Am frühen Abend sitzen wir wieder im Wohnzimmer und gemeinsam haben wir vor allem ein Thema: Wie kommt der Offenstall in das Bewusstsein der VerbraucherInnen? 

„Der Engpass ist die Vermarktung“, weiss Bert. Tiergerechte Schweinehaltung und Wirtschaftlichkeit sind eine Gradwanderung. Bedford stellt nach und nach um, der Verbraucher gibt hier die Taktzahl vor. Das wissen auch die Ahrens-Westermanns. 

  „Das Image der Landwirtschaft ist schlecht, und das teils zu Recht. Es gibt zu viele Missstände in deutschen Ställen“, so Carl. „Aber der Verbraucher muss sich auch rühren und mehr als nur 11% für Ernährung ausgeben. Und er muss weniger Fleisch essen!“ Carl spricht gerne klare Worte, denn sein Sohn und er geben viel, damit sich die Situation ganzheitlich ändert. „So habe ich das noch von meiner Mutter gelernt. Taktlos, direkt und undiplomatisch!“ 

Aber die Direktheit ist angebracht: alle Mühen für eine verbesserte Haltung in der Schweinemast werden sich nur durchsetzen, wenn VerbraucherInnen diese Mühen wertschätzen. 

Doch Bert Mutsaers und Carsten Leiber machen sich stark: „Wir suchen derzeit Metzger, die bereit sind, komplett umzustellen auf Offenstall.“ Zu erkennen ist das Schweinefleisch aus Offenstallhaltung übrigens an dem grünen Logo: 

© Logo des Vereins zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen e.V.

Der Wunsch aller Beteiligten? Dass „Offenstallhaltung“ irgendwann einmal zum Oberbegriff für eine tiergerechtere Schweinehaltung wird, nach der VerbraucherInnen aktiv nachfragen.  

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Kontakt zu Carl Ahrens-Westerlage:

Westerlage 1
49586 Neuenkirchen
T.: 05465 583

Kontakt zum Verein zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen e.V.:


Traiteur-Platz 1
49090 Osnabrück
T.: 0541 / 1218145
F.: 0541 / 1218128
E.: info@offenstall.com
U.: www.offenstall.com

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