weidefunk zu Besuch bei Michael Eickhoff: Warum ihm Waldspaziergänge mit Rindern guttun und er sich wünscht, dass Verbraucher in die Ställe schauen.

Rot-braune Rinder mit engem Familienanschluss

Schwupps! Waren wir an dem Hof vorbeigerauscht. Erst, nachdem wir auf weitem Feld und Flur standen, kamen Juliane, Lioba und ich zu der Überzeugung: „Doch, das eben musste wohl der Hof von Michael gewesen sein …“

Wir wenden, und schauen Minuten später in das freundliche Gesicht von Michael Eickhoff, der sich auf seinem Grundstück in Lienen/Westfalen einen Traum erfüllt hat: Eine kleine Herde mit Limousin-Rindern. Plus zwei Ponys. Und zu meiner Freude unzählige Blaumeisen. 

Nun, nach Bauernhof sieht es hier nicht aus. Ist auch kein Wunder, Michael erzählte es mir bereits am Telefon: „Wir sind ein kleiner Hobbybetrieb, das machen wir aus reiner Leidenschaft!“ 

„Das Verramschen von Fleisch im Discounter – das ist das Allerletzte!“

Michael freute sich auf unseren Besuch, denn es bedeutet ihm etwas, dass Menschen bei ihm vorbeikommen. Aber nicht, weil er einsam ist. Auf dem Hof lebt er zusammen mit seiner Familie. Tochter Jill und Onkel Fritz kommen auch direkt dazu, um uns zu begrüßen. 

Nein, Michael ärgert sich. Über die Entwicklung, die in großen Teilen der Landwirtschaft stattgefunden hat. Über Discounter, die Fleisch und Fleischprodukte verramschen. Über „Bio“, das von vielen VerbraucherInnen automatisch als gut eingeschätzt wird. Und über vieles weitere, was sich in den letzten Jahrzehnten durch das Zusammenspiel von Industrie und Konsumverhalten entwickelt hat. Und er will es besser machen. 

„Wir wollen den Tieren einfach so gut wie es nur geht gerecht werden!“

Doch Michael ist nicht verbittert, oder entmutigt. Die kleine Herde von 16 Tieren soll es so schön wie möglich auf dem Hof haben. „Fritz und ich ziehen hier an einem Strang!“ Fritz füttert morgens, Jill füttert abends. Michael erledigt misten & Co. Das kann Fritz nicht mehr, sein Rücken verhindert es leider mittlerweile. Dafür hat Fritz Zahlen und Daten zu allen Tieren im Kopf sicher gespeichert. 

Der Metzger von nebenan. Oder: Wie baut man eine zeitgemäße Direktvermarktung auf?

2015 hat der hauptberuflich arbeitende Servicemanager aus einem lokalen Münsteraner Unternehmen dieses Hobby begonnen. Michael führt eine so genannte Herdbuchzucht, sprich, er legt Wert auf beste Abstammung. Derzeit werden die Tiere nur als Zuchttiere vermarktet. 

Doch bald möchte Michael, dass einige wenige Tiere in die Fleischvermarktung gehen. Seine Vorstellungen, wie das funktionieren darf, sind ethisch gut aufgestellt. Wirtschaftlich dagegen beschäftigen Michael kluge Fragen … 

Zum Beispiel die, die sich mit Preisverfall beschäftigen. Michael ist entsetzt, welche Preise für Fleisch allgemein abgerufen werden. Er selbst isst gerne Fleisch – doch aus dem Discounter? Das käme ihm nie in den Einkaufskorb. Fleisch aus Argentinien lässt die Gemüter von Michael und Fritz dann komplett hochfahren: „Von wegen Freilandhaltung! In Feedlods gehalten, kriegen die Hormonchips in ihre Ohren!“ 

Wir können innerlich nur zustimmen, die wahren Gewinner des Mercosur Abkommens zeichnen sich eben zu deutlich ab. 

Derzeit sucht Michael ganz am Anfang der Wertschöpfungskette und stößt bereits hier auf Probleme: Die meisten individuellen Metzgerbetriebe geben auf. Wo und worüber soll er seine Tiere vermarkten? 

„Klar habe ich mir das anders vorgestellt damals.“

Für Michael ist seine Leidenschaft damit auch „Leiden“-schaft: „Klar habe ich mir das anders vorgestellt vor 5 Jahren … . Ich will das meine Tiere gut leben. Wenn ich die jetzt für einen miesen Preis weggebe, weiss ich doch, wo die landen!“

Während unseres Gespräches dringt immer mehr der Antrieb von Michael durch: Der Wert dieser Tiere inklusive ihrer sorgfältigen und familiengebundenen Aufzucht soll bei den VerbraucherInnen ankommen. Sie sollen es sehen, erfahren, spüren!

Also wünscht er sich Besuch.

Im engen Erleben geschieht es immer: „Freuen sich wie Bolle!“ 

Juliane freut sich… Rinder müssen erst noch über die Nase erfahren, ob Juliane in besten Absichten kommt.

Auf Zuchtschauen etwa verteilt Michael gerne Karten, lädt die Menschen ein, seinen Hof und die Tiere zu besuchen. Dort sollen sie sehen: 

  • Die Tiere bleiben so viel wie möglich draußen, bestenfalls das ganze Jahr. 
  • Die Mutterkuhhaltung ist selbstverständlich.
  • Eine Enthornung findet nicht statt.
  • Die Rinder erhalten eine individuelle Fütterung, je nach Tier und Gemüt.
  • Sind die Tiere im Stall, dürfen die Klauen trocken und gesund auf Hackschnitzel stehen.

Ein Tierarzt sollte sich wirtschaftlich daher nicht auf Michaels Hof verlassen: den braucht er nämlich so gut wie nie hier: 

„Wenn du sie so hältst wie wir es machen, danken es einem die Tiere mit einer tollen Gesundheit.“

Doch es zeigt sich ein Klassiker, den viele Landwirte kennen werden: Im engen Erleben der Tiere werden Menschen enthusiastisch: „Auf einer der letzten Zuchtschauen, da spielte ein 3-jähriger mit meinen Tieren, der hat sich gefreut wie Bolle. Die Mutter entsprechend auch!“ Doch der Einladung nach Lienen folgte sie nicht. 

Paradox des Marktes: Einen kleiner Moment Kopfschütteln erlaubt

„Wie sollen all die Bauern überleben, die davon abhängig sind?“

„Weißt Du, Inga, ich bin davon jetzt nicht finanziell abhängig, ich mach es ja nur als Hobby. Aber ich sehe es doch bei den anderen Bauern: wie sollen die denn überleben? Und wenn wir doch zeigen wollen, wie wir es besser machen – dann sind wir doch darauf angewiesen, dass die Menschen es sich auch anschauen.“ 

Ja, das ist schon merkwürdig: Da geben Unternehmen aus der Fleischindustrie viele Millionen EUR an Marketingbudget aus, um VerbraucherInnen zu erzählen: „Unsere Tiere haben glücklich gelebt“. Und häufig entsprechen Sätze auf den Produktpackungen nicht der Realität. Aber es wird gekauft, obwohl in Studien immer wieder herauskommt, dass VerbraucherInnen dem Marketing aus der Fleisch- und Milchindustrie unterirdisch wenig Vertrauen schenken. 

Und dann gibt es die Bauern und Menschen, die ein solches Budget nicht haben. Die aber ihre Türen öffnen und sagen: „Kommt herein! Schaut Euch alles an!“ Und die wissen nicht, wie sie die nächsten Jahre überleben sollen. 

Familienbande: Jill und ihr Herz für die rot-braunen Rinder

In Urlaub fahren die Eickhoffs nicht. Sie leben mit ihren Tieren: „Hier tüddelt den ganzen Tag immer einer mit denen herum!“ schmunzelt Michael und schaut dabei zu seiner Tochter Jill. 

Jill ist besonders, was die Tiere anbelangt. Einige der Rinder hat die 15-jährige von Geburt an aufgezogen. Die erlebte Zutraulichkeit auf den Bildern dürften weitere Worte von mir überflüssig machen: 

Inmitten der Tiere stehen, dafür braucht Jill keinen Mut. Die Tiere respektieren sie. Doch überdurchschnittlich tapfer musste das Mädchen in seinem Leben sein: Geboren mit einem schweren Herzfehler, musste sie drei große OPs über sich ergehen lassen. Während wir sie beobachten, denken Juliane, Lioba und ich zeitgleich: 

Hier ist wieder einmal zu sehen, wie Tiere wirklich empfinden und handeln: sie wägen nicht ab, was jemand hat oder darstellt. Sondern einzig, mit welchem Herz man auf sie zugeht. 

„Wenn wir hier einen haben, mit dem wir nicht umgehen können –  Jill kann das!“

Waldspaziergänge

„In der Mitte das Haus. Drumherum die Limousins.“ 

Die Liebe zu den Tieren hat Jill von Michael, keine Frage. Für den allerdings gibt es nur Limousins! Tatsächlich habe ich aber schon häufig gehört, diese Rinderrasse aus Frankreich sei aggressiv. „Das ist ein totaler Unsinn!“ springen Michael und Fritz gleichzeitig auf. 

„Der schlechte Ruf kommt daher, dass die ursprünglich eben auf Weiden allein standen, ohne Menschenkontakt. Und dann werden die plötzlich verladen und zu einem Mäster gebracht! Ja, Mann! Klar geraten die in Panik! So verhalten sich alle Rinder!“

So einfach ist das. Entsprechend ironisch antwortet Michael gerne auf die Frage, warum es gerade Limousins sein sollen: 

„Limousins? Die liebe ich, weil alle sagen, die sind bekloppt.“ 

Michael mag es eben, dann und wann an Klischees zu rütteln. So auch, wenn er als bekennender Frühaufsteher sich ein Halfter nimmt und mit einem seiner Rinder durch den Wald spaziert. Dort lässt er die Tiere grasen und denkt darüber nach, wie schön es wäre, irgendwann mal mit ein paar Hektar Land ausgestattet noch mehr Limousins halten zu können: „In der Mitte das Haus. Drumherum die Limousins.“ 

Wir wünschen Michael, Jill, Fritz und der ganzen Familie, dass dieser Wunsch irgendwann erreichbar wird. 

Und für alle, die auf Michael neugierig geworden sind: Er und seine Familie freuen sich über Besuch und konstruktive Gespräche:

Michael Eickhoff
Waldweg 4
49536 Lienen-Holzhausen
T.: 0173-2972991
e.: michael.eickhoff@teutelnet.de
W.: www.limousin-zg-lienen.jimdofree.com
F: www.facebook.com/michael.eickhoff.357

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