„Wir brauchen die Verbindung zwischen Bauer und Verbraucher.“ Ein Gespräch über Nähe und die Notwendigkeit kleiner Märkte.

Mitten im Bergischen Land: Gespräch über große Chancen für kleine Höfe

An einem Samstagmorgen fahren Jeanette und ich los Richtung Gummersbach. Wir treffen uns auf dem Klosterhof Bünghausen zu einem Austausch der besonderen Art: Wir wollen von zwei „Kleinen“ wissen, wie „Großes“ bewirkt werden könnte. 

Der Klosterhof gehört Peter Schmidt, der 1997 in die Landwirtschaft eingestiegen ist. Zusammen mit seiner Frau Susanne hat er mit diesem Hof ein individuelles bäuerliches Konzept ins Leben gerufen, von dem Viele lernen können, denen Wachstum und Menge nicht oberste Ziele im Leben sind. 

Der Klosterhof ist Mitglied im Bio-Anbauverband Biokreis e.V.  Aus Passau, dem Sitz von Biokreis, angereist ist auch Stephanie Lehmann. Sie kümmert sich um die Bedürfnisse der LandwirtInnen vor Ort und macht sich intensive Gedanken um einen Punkt, um den es heute gehen soll: 

Wie können VerbraucherInnen und BäuerInnen wieder näher zusammenrücken und eine „gemeinsame Sprache“ finden? Um so den Zielen einer artgerechteren Tierhaltung, gesunden Lebensmitteln und einer umweltsensiblen Landwirtschaft einen Schritt näher zu kommen. 

Bauernhof. Ein Ort des Erlebens

„Große Strukturen sind schlecht für kleine Bauern.“

Peter Schmidt

Wenn Du auf Peter triffst, weißt Du gleich Bescheid: Hier auf seinem familiären Hof bist Du willkommen, wenn Du an ehrlichen Worten, viel Einblick in eine bewusst klein-regionale Landwirtschaft und Direktvermarktung gewinnen möchtest und konsequente Haltung zu schätzen weißt. 

Seine Frau Susanne Schulte und er haben den Klosterhof auf mehreren kleinen, stabilen Standbeinen aufgestellt: Neben der Fleischvermarktung von u.a.Rotem Höhenvieh aus Weidehaltung sowie Hofschlachtung (Matthias Kürten) ist es v.a. das Können und Wollen dies Ehepaars, einen Bauernhof zu einem Ort des Erlebens zu machen: 

Peter und Susanne betreiben diesen Hof mit viel Kreativität und noch mehr Eigen-Engagement

Mit Leidenschaft und Know-how werden Kinder und Erwachsene in Welten eingeführt, die vielen von uns fremd (geworden) sind: Vom Eier-, Schaf- und Apfeltag über Themen- und Aktionstage bis hin zu Initiativen wie den „Freundeskreis“ – einem Förderverein, der u.a. sicherstellt, dass mehr Kindern die Teilnahme an tiergestützten Freizeitangeboten des Klosterhofes ermöglicht werden. 

Das Wirken im Kleinen, weg von großen Systemstrukturen, macht Peter auf seinem Hof zu einer Stärke. Vor allem, in dem er darüber spricht. Dieses Darüber-Sprechen, wie es ist: Das liegt dem 58-jährigen Remscheider einfach mal im Blut …: 

Peter: Macht nichts, was ihm gegen den Strich geht

„Mir bringen die beiden „Öko‘s“ eben Spaß: Ökologie und Ökonomie!“

Peter Schmidt

Als Kind ist Peter in einem Reihenhaus aufgewachsen: „In dem Vorgarten hättest Du nicht mal Hühner halten können!“ Dass der junge Peter schon früh an Hühner dachte, verwundert wenig. Er ist in einer naturverbundenen Familie groß geworden und schon immer war klar: „Ich werde Bergführer oder Bauern.“

Bevor er letzteres in die Tat umsetzte und das Bauern-Sein für Andere didaktisch transparent machte, öffnete er schreiberisch zunächst mal den Kopf der Menschen: Er schrieb für die großen Medien wie den SPIEGELSpecial, Wirtschaftswoche, WDR sowie andere überregionale Wirtschafts- und Umweltmedien und überzeugte schon immer mit einer klugen Themen-Kombination aus Ökonomie, Umwelt und Landwirtschaft. Der eine oder andere Ärger für die „Großen“ aus der Industrie wurde dabei augenzwinkernd in Kauf genommen. „Tja, mir bringen die beiden „Öko’s“ eben Spaß: Ökologie und Ökonomie!“ Lacht er. Und betont ein wenig ernster: „Ich mache eben nichts, was mir gegen den Strich geht!“ 

Mit dieser Anpacker-Mentalität passt er ziemlich gut in die Biokreis-Familie.

Biokreis: Im Kleinen Großes bewirken 

„Groß und immer größer! Das können und wollen wir nicht mitmachen. Wir brauchen wieder kleine selbstbestimmte Märkte!“ 

Dr. Stephanie Lehmann

Biokreis feierte just sein 40-jähriges Jubiläum. Mit 1.325 Biokreis-LandwirtInnen ist er ein beliebter Bio-Anbauverband, der nicht nur ehrliche Landwirtschaft verspricht – sondern auch offen zeigen will! Die Ganzheitlichkeit steht im Fokus: Klimaschutz, Artenvielfalt, gesunde Ernährung, Regionalität und die Weiterentwicklung der ökologischen Landwirtschaft sind Arbeitsfelder des Vereins. Stephanie fühlt sich hier entsprechend pudelwohl: Die promovierte Literatur- und Theaterwissenschaftlerin lebt achtsam, die Herkunftsgeschichte von Lebensmitteln, aber auch anderer Gebrauchsgüter sollte in ihren Augen deutlich stärker ins Bewusstsein der Menschen gelangen.   

Ernährung war für die 40-jährige dabei schon immer ein Thema. Aber was da im Hintergrund der Landwirtschaft abläuft, das war lange nicht auf ihrem Radar. Und hier lernt sie im Biokreis-Verbund hautnah dazu. Biokreis will bewusst hinter Stall- und Weidetüren schauen lassen. Dazu gehört auch, dass die zumeist familiär-bäuerlichen Mitglieds-Betriebe in wichtigen Belangen und Entwicklungen aktiv mitreden können. Das Biokreis-Label werden wir daher mutmaßlich auch nicht im LIDL-Regal vorfinden, denn sie wollen gemeinsam den Weg kleiner Märkte stärken. 

Fleisch und Milch brauchen erst einen Wert. Dann einen Preis. 

„Meine Produkte gehen nur dahin, wo ihre Geschichte anständig erzählt wird!“

Peter Schmidt

„Ich mach nie Verlust!“ das versprach Peter einst sich selbst. Aber Masse, Menge und hemmungsloses Wachstum kamen für ihn nicht in Frage. Und suchte den Weg in die Besonderheit der Nische. Dahin, wo Produkte wie Milch und Fleisch wieder einen echten Wert bekommen, und nicht nur einen Preis.

Das Wichtigste ist ihm, „dass ich mit den Menschen sprechen kann, die bei mir kaufen! Die wissen: Es kommt von uns, und damit wissen sie automatisch, worauf sie vertrauen dürfen. Das ist für den Kunden der entscheidende Punkt.“ 

„Das ist genau der Weg!“ betont Stephanie. „Die Kommunikation ist in so vielen Bereichen zwischen Landwirtschaft und VerbraucherIn abgebrochen.“ Die Kooperation mit kleinen Läden, der Aufschwung von ehrlichen Regionalmarken, die Zusammenarbeit von vielen kleinen Akteuren, die zusammen etwas Großes bewegen können – das ist der Weg von Biokreis. 

„Wir brauchen Marken und Angebote, die das Produkt wieder interessant machen, so dass man das dann auch wirklich haben will!“ erklärt die Kommunikationsexpertin und bringt es gut auf den Punkt: Deutschlandweit das gleiche Produkt anzubieten ist natürlich skalierbarer. Aber der Wert und das Besondere hinter dem Produkt – seine Geschichte – bleiben auf diesem Weg allzu häufig auf der Strecke. 

Chance der Kleinen und ihr Trumpf der wahren Geschichten 

Die Nachfrage nach seinem Fleisch kann Peter in aller Regel nicht immer decken. Mit freundlichen eMails informiert er dann seine Kunden, dass Stall und Weide kein Supermarkt sind. Dein Konzept geht eben auf, er hat Erfolg. Solange er in kleinen Strukturen denkt und arbeitet. 

„Klein“ – da denkt man häufig an: benachteiligt, müsste doch größer sein! Aber genau das wollen Menschen wie Stephanie und Peter nicht. Sie glauben an die Macht kleiner Strukturen; sie bieten genau die große Chance, dass Landwirtschaft und VerbraucherIn sich näherkommen und gegenseitig verstünden. Und wir sehen es doch auch: Immer mehr Initiativen machen sich auf den Weg, Synergien werden gesucht und bewusst auf kleine Strukturen gesetzt: Wie etwa die  Regionalwert AG (Münsterland und Rheinland), oder die Marktschwärmerei, die kleinen Betriebe konkrete Vermarktungsstrukturen bietet. 

Je kleiner ein Betrieb ist, desto schwieriger hat er es in der Regel mit der Vermarktung. Umdenken wird hier zum kleinen Einmaleins für uns alle werden, wenn wir neue Wege finden wollen. Peter ist Journalist, und macht seine Form der Landwirtschaft so gut erlebbar, weil er darüber spricht. Stephanie kommt ebenso nicht aus der Landwirtschaft. Aber bereichert sie heute, indem sie über die kleinen bäuerlichen Betriebe schreibt. Genau hier liegt ein Trumpf für die Kleinen:

„Du kannst einfach erzählen, wie es ist – das ist so toll! Da muss nichts aufgehübscht werden.“

Stephanie Lehmann

Nur wahre Geschichten, ehrliche Stimmen werden am Ende auch ehrliche Nähe aufbauen können, daran glauben auch wir fest. Und mehr und mehr lernen die Menschen, dass ein Produkt eben nicht nur „Fleisch“ oder „Milch“ ist. Sondern das ganz besondere Produkt Dir immer auch eine wahre Geschichte erzählen möchte und kann. 

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