weidefunk besuchte Carsten Buerbank: „Ohne Jasmina hätte ich das nicht angepackt!“: Über steinige Wege, zwei junge Menschen und eine mutige Entscheidung.

Ein Hofladen. Ein junger Mann. Eine gute Entscheidung für die Tiere.

Sarah und ich nähren uns einem Hof in Lüdinghausen im Münsterland. Eine niedliche kleine Finnlandhütte fällt uns direkt ins Auge: Es ist der „Hofladen Buerbank“. Daneben grenzen Felder und Weiden an; über diese kreuzt ein großer junger Mann mit zwei Hunden. Carsten Buerbank winkt uns zu. Während wir noch Mikro & Co. aus dem Auto kramen, begrüßen uns die beiden Vierbeiner. 

Dann erreicht auch Carsten uns. Er ist 26 Jahre jung, und er baute diesen Hofladen auf. Denn vor einem Jahr entschied er sich: Er möchte den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern umgestalten. 

Münsteraner Höfe – Sie alle haben ihre Lebensgeschichte

Es zieht wie Hechtsuppe und wir stellen uns in den Hofladen, der sowas wie ein Symbol für die Veränderungen auf diesem Betrieb ist. Er ist am 26. März gebaut und mit viel Hingabe bestückt worden. Vor allem aber ist er das Resultat einer mutigen Entscheidung. 

Der Hof, auf dem wir hier stehen, geht auf Familienbesitz seit 1592 zurück. Alfred und Doris, die Eltern von Carsten, haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Allein die Biografie von Alfred füllt ein kleines Büchlein. Dieses würde die Geschichte eines Menschen erzählen, der Landwirtschaft in seinem Blut hat: Schweine, Hühner, Kühe, Kartoffeln (die er noch selbst mit dem Traktor nach Dortmund auf den Markt gefahren hat) … alles war schon da. 

Vater Alfred, Sohn Carsten & Inga

Geblieben waren die Mastferkel. Doch genau die sollen bald der Vergangenheit angehören. Ein kleiner Restbestand von 130 Tieren ist noch da. Doch nicht mehr lange. Stattdessen erhalten immer mehr Bentheimer Schweine ein gutes Zuhause auf dem Hof; derzeit noch in großzügigen Ställen mit Stroh ausgelegt; bald schon aber sollen die Schweine auch auf die Weide. Da stehen bislang nur zwei. Aber dazu später.  

 „Ich konnte das so nicht mehr machen!“ – Vom Gefühl, das die Industrialisierung in der Landwirtschaft auslösen kann

„Ich könnte einen sehr gut bezahlten Job haben, wenn ich wollte.“ Erzählt uns der studierte Agraringenieur, als wir beisammen im Hofladen stehen. Aber wie es so häufig ist – die Begegnung mit einem Menschen kann vieles verändern. So auch bei Carsten. 

„Das mit der Schweinemasthaltung ..  ich konnte das irgendwie nicht mehr machen.“ Carsten ist Landwirt durch und durch, keine Frage. Aber deutlich nehmen wir wahr, wie ihm ein Faktor, der die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr beeinflusst hat, arg zusetzt: die Industrialisierung. 

Schweine riechen eigentlich wunderbar! Doch ein Stall, in dem Tiere nur noch der Produktion wegen gehalten werden, geht der gute Geruch und viel, viel mehr noch verloren. Gerade kleinere Betriebe ackern sich ab, um das Nötigste überhaupt noch zu schaffen. 

Der alte Spruch „Wachse oder weiche!“, den man den Landwirten in den vergangenen Jahren aus Wirtschaftskreisen zugerufen hat, spricht genau diese Sprache: Mach’s effizienter, heißt unpersönlicher, distanzierter vom Tier. Oder geh‘ halt unter. 

In Carsten brodelte diese Spannung schon lange, bereits während seines Studiums überlegte er, ob das alles so sein muss. Er liebäugelte mit „ein bisschen Landwirtschaft nebenbei“, aber hauptberuflich wollte er einen guten Job mit Aussichten. Doch wie gesagt, soweit kam es nicht. Denn Jasmina trat in sein Leben. 

Jasmina: „DAS hier ist die Zukunft, daran glaube ich fest!“

„Weißt Du, früher kannte ich die Schweine nur mit Nummer.
Heute kenne ich die mit Namen!“

Vor anderthalb Jahre lernte Carsten Jasmina kennen. Die 24-jährige Dentalpraktikerin und Physiotherapeutin für Pferde steht mit beiden Beinen fest im Leben und hat eine klare Meinung zur landwirtschaftlichen Entwicklung: „Die Zukunft ist genau DAS hier. Regionalität und generell ein Zurückgehen auf das Ursprüngliche. Das wird und muss wiederkommen!“ 

Dieses „DAS“ meint: eine tiergerechtere Haltung. Gute Lebensmittel. Regionalität. Der direkte Kontakt des Verbrauchers zum Landwirt. Diesen Wandel von der industriellen Haltung der Tiere hin zur tiergerechten Landwirtschaft fasst Vater Alfred perfekt in Worte: „Weißt Du, früher kannte Carsten die Schweine nur mit Nummer. Heute kennt er die Schweine mit Namen!“ 

Freundin (und Energiebündel) Jasmina

Die starke Meinung und Persönlichkeit von Jasmina beeindruckte und beeinflusste auch Carsten. Er begann mit vierBentheimer Schweinen; heute beherbergt er rund 50 Tiere auf dem Hof Buerbank. Ihr Fleisch findet sich dann u.a. abgepackt im kleinen Hofladen, oder wird zu nahegelegenen Gasthäusern geliefert, deren Gäste bereits auf den Geschmack gut gehaltener, natürlich aufgewachsener Schweine gekommen sind. 

Josie: „Fleisch essen ist eine Frage der Herkunft!“

Carsten ist sich sicher: Die Menschen müssen die Höfe anschauen, sich selbst ein Bild machen. Der Landwirt öffnet entsprechend jedem Interessierten sofort Tor und Tür. Eine junge Frau, die diese Einladung seit vielen Jahren nur allzu gerne annimmt, heißt Josie (31), gute Freundin und Stammkundin in einem. 

Carsten, Jasmina und gute Freundin Josie vor dem Hofladen

Die sympathische Frau lässt gar keine Zweifel an der Richtigkeit ihres Handelns: „Fleisch ist immer noch was Natürliches. Und wenn ich weiss, dass sie gut gelebt haben, dann muss man Fleisch nicht komplett ablehnen.“ Kurz: wenn die Tiere gut gehalten worden sind, dürfen Fleisch und andere tierische Erzeugnisse auch genossen werden. 

„Für mich ist der Einkauf in diesem Hofladen eine Selbstverständlichkeit!“ 

Wenn aus einer Beziehung noch mehr Gemeinsames wird 

Vater Alfred lässt seinem Sohnemann „die Macken“, so drückt er es liebevoll aus. Klar, Carsten und Jasmina haben viel vor sich. Aus einem konventionellen Ferkelmastbetrieb einen nachhaltigen Hof mit Bentheimer Schweinen aufzubauen – wie würdest Du da herangehen? 

Denn seien wir mal ehrlich: die Unterkunft der buntgefleckten Bentheimer Schweine hat nichts mehr mit dem zu tun, was einem Ottonormalverbraucher (hoffentlich) beim Begriff „Ferkelmast“ in den Sinn kommt. Noch stehen die Borstentiere in den Stallungen, doch Carsten und seine Freundin Jasmina planen eifrig ihren Weidegang. 

Denn beiden liegen die Tiere am Herzen; dies wird mehr als deutlich, als wir vom Hofladen in den Stall wechseln. Ein Standortwechsel, der jedem Interessierten – wie gesagt – nur allzu gerne offensteht: Carsten findet es toll und richtig, den Menschen die Tiere direkt zu zeigen, sie sie anfassen zu lassen. 

Wir verbringen viel Zeit im Stall, Carsten lässt es sich nicht nehmen, eine Kraulrunde mit einem Eber  einzulegen (bei Bentheimern gibt es nur den Natursprung, nichts mit künstlicher Besamung!). Während er auf dem Boden sitzend mit dem Tier schmust, erzählt er von Jasminas Selbständigkeit, und wie ihre Erfahrungen daraus ihn weiter anspornen. Für ihn steht fest: 

„Ich hätte es ohne Jasmina nicht angepackt. Sie hat mir den Rückhalt gegeben! Klar, meine Eltern auch. Aber Jasmina lebt mir mit ihrer eigenen Selbständigkeit vor, dass es manchmal eben auch mal mehr Mut braucht.“

Schöne Aussichten: Eine Patin für „Captain“ und eine Weide für Schweine

Unsere letzte Station führt uns raus aus dem Stall, hinaus auf eine große Fläche, die derzeit noch unbenutzt und unbebaut ist. Auf dieser Weide sollen bestenfalls schon im kommenden Jahr die Bentheimer stehen.

Ein kleineres Stück ist bereits abgetrennt; da stehen zwei sehr zufriedene Bentheimer drauf. Eines davon hat ein ganz besonderes Glück: Captain. Dieses Schwein darf eine Patin sein Eigen nennen: Eine Dame, die einst den Hofladen besuchte, hat sich derart in das putzige Borstentier verliebt, das sie direkt die Patenschaft für ihn übernahm. 

„Captain“ wird so bis zum Ende eines natürlichen Lebens fröhlich sein Gras schmausen dürfen. 

Genauso eindrucksvoll wie ein Mensch, der einfach so eine Patenschaft für ein Schwein übernimmt, ist der Weg, den Carsten und Jasmina hier gehen wollen: 

Sie glauben fest daran, dass sich durch echte Transparenz, handwerklich ehrlich produzierte Lebensmittel und dem Umsetzen einer Landwirtschaft, die Menschen- und Tierwohl gleichermaßen im Auge hat, Pfade entwickeln werden, die irgendwann stabile neue Wege und vielleicht auch Straßen in der Landwirtschaft ausbilden werden. Auf Facebook könnt Ihr die Aktivitäten von den Beiden weiter verfolgen.

Wir wünschen uns für die Beiden sehr, dass dieser Glauben bestätigt und belohnt wird. 

Carsten & Jasmina, herzlichsten Dank für Eure Gastfreundschaft, Eure Worte und v.a. Eure Planungen für die Tiere! Bis bald! 

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Fahr selbst einmal hin und schau Dir Hofladen, Stall und Weidefläche der Schweine an! Und mach Dir ein Bild davon, wie ein ehrlicher Wandel aussehen kann!

Hofladen Buerbank
Leversum 8
59348 Lüdinghausen
T.: 0151 41888802
E.: info@hofladen-buerbank.de

Hofladen Öffnungszeiten
Freitag 10:00 bis 18:00 Uhr
Samstag 09:00 bis 13:00 Uhr

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