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600 Gramm BBQ Nackensteak für 1,99 EUR. Wieviel solltest Du für gutes Fleisch bezahlen?

Preiskracher! Preisschlachten! Preisirrsinn …

Dank Massentierhaltung und Überproduktion gehören Preisschlachten und Sonderangebote ins gewohnte Bild deutscher Supermärkte. Schlägt man einen handelsüblichen Prospekt für Lebensmittel auf, kriegt man einen Farbschock anlässlich der Niedrigst-Angebote, bunt umrahmt von tiefer-geht’s-nicht-assoziierenden Farbwelten. 

Fünf Euro pro Kilo? Keine Seltenheit. Der SWR rechnet vor: 1960 mussten die Deutschen im Schnitt noch ca. zwei Stunden für ein Kilogramm Rindfleisch arbeiten. Heute stehen nur noch 31 Minuten Maloche an, und man hat das Stück Fleisch indirekt erarbeitet. Für ein Kilogramm Biofleisch dagegen arbeitet der Durchschnittsdeutsche dagegen eine gute Arbeitsstunde.

Die Preise für Schnitzel & Co. haben kaum noch etwas mit der plausiblen Berechnung eines Lebens-Mittels zu tun. 

Fleischverbrauch pro Kopf sinkt, Bewusstsein pro Kopf steigt

Doch der Fleischverbrauch in Deutschland ist rückläufig. Seit 2017 sind der Fleischverbrauch pro Kopf um 0,8 Kg auf durchschnittlich 59,7 Kg, heißt es im „Agribusiness-Report“ von Ernst & Young, der zusammen mit der Georg August Universität Göttingen erstellt wurde. 

Die Rückläufigkeit ist laut Deutschem Institut für Wirtschaft darauf zurückzuführen, da die Menschen in ihrem Fleischkonsum bewusster handeln: Besseres Fleisch, dafür weniger. Das Motto hört man tatsächlich häufig in den vergangenen Monaten. 

Prinzip „besser + weniger“: Was heißt das konkret fürs Portemonnaie? 

Kommen wir mit diesem Motto auf eine Nullsummenrechnung? Weniger Fleisch + dafür besseres = gleiche Ausgaben? Oder wie verhält es sich in der Realität?

Schnitzeltag bei Familie Braun

Die Sendung odysoo (Do, 19.4.2018 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen) hat sich dieser Frage angenommen. Sie fand eine fünfköpfige Familie, die den Test machen wollte: zwei Wochen nur Biofleisch – Fleisch aus konventioneller Haltung war gestrichen. Zwei Wochen deutlich teureres Biofleisch – ohne mehr Geld auszugeben!

Wenn der Jüngste schon sagt „Ich esse nicht so gerne Gemüse – lieber Fleisch“ ein gar nicht mal so einfaches Unterfangen. Dazu die Mutter: „Von sieben Tagen haben wir bestimmt vier oder fünf Tage Fleisch auf dem Tisch“ Der Familie steht pro Woche ca. 50 EURO. Fleisch & Wurst-Budget zur Verfügung. 

Und so gestaltet sich das Verhältnis Fleisch zu anderen Lebensmitteln bei Familie Braun bislang: 

© SWR Odysso Zwei Wochen mit Biofleisch
© SWR Odysso Zwei Wochen mit Biofleisch

Laut Ernährungsexperten ist der Konsum der Familie Braun damit ¼ höher als er sein sollte.

Artgerechter Schnitzeltag

Familie Braun kauft ihr Fleisch fast immer beim Metzger. Doch zwei Wochen lang soll es nun nur bestes Bio-Fleisch sein. Der Besuch im Supermarkt verschlingt dann auch direkt mal das gesamte Wochen-Budget: 500 gramm = 16,60 EUR Filet vom Schwein. 1/3 des Wochenbudgets. Dazu kam noch Gulasch und Wurst, und schon war das Budget erschöpft. 

Der Umstieg auf hochwertigeres Fleisch führt also automatisch zu einer deutlich geringen Menge. Dies hat Konsequenzen für den Speiseplan: 

  • Beilagen nehmen an Bedeutung zu
  • Vegetarische Gerichte kriegen höheren Stellenwert

Für die Kinder war der Umstieg auf mehr Gemüse und vegetarische Gerichte eine Umgewöhnung, nichts anderes war ja nun auch zu erwarten. Ein wenig Kochkunst verlangte es zudem Frau Braun ab, um gerade Gemüse-Gerichte kindgerecht zu verfeinern. 

Auffälligkeiten:

  • Die Familie isst bewusster, ins Zentrum des Einkaufens rücken noch stärker die Gesundheitsaspekte ihrer Kinder und von sich selbst
  • In der Farbe des Fleisches sieht Ehepaar Braun sofort einen Unterschied, und auch beim Braten bleibt das Schnitzel erstaunlich groß 
  • Kurz: Bio Schweine Filet wurde als geschmackliches Highlight der Woche gewürdigt. 

Rechenregel für besseres Fleisch 

Unsere Familie Braun hat bei ihrem Schnitzel also fast viermal so viel bezahlt. Wie können wir eine Rechenregel für den Alltag aufstellen? 

Die Redaktion von RTL hat für die breite Masse exemplarisch deutlich gemacht, welche Preisunterschiede zwischen einem „guten“ (hier: Bio- und Demeter-Fleisch) und einem also weniger guten Stück Fleisch (aus konventioneller Haltung)  zu zahlen ist. 

Für Fleisch in Demeter-Qualität zahlt man je nach Sorte ca. zwei- bis dreimal so viel wie für Fleisch aus konventioneller Haltung:

  • Schweinefilet: circa 40 Euro/kg statt 15 Euro/kg
  • Schweinenackenkotelett: circa 22 Euro/kg statt 8 Euro/kg
  • Schweineschnitzel: ca. 25 Euro/kg statt 10 Euro/kg
  • Rinderhüftsteak: circa 35 Euro/kg statt 24 Euro/kg
  • Rindergulasch: circa 22 Euro/kg statt 13 Euro/kg

Das bestätigt auch der SWR in seinen Recherchen: 

  • Biofleisch vom Schwein ist gut dreimal teurer als Fleisch aus konventioneller Erzeugung. 
  • Rindfleisch ist knapp zweimal so teuer wie aus konventioneller Haltung

In der Übersicht: 

© SWR Odysso Rechenbeispiele Bio und konventionelles Fleisch
© SWR Odysso Rechenbeispiele Bio und konventionelles Fleisch

Eine Handlung, viele erreichte Ziele

Mit dem Ziel „besserer Fleischkonsum“ werden zugleich viele andere Ziele vereint 

  • Klimaschutz
  • Ausgewogene Ernährung
  • Unterstützung artgerecht arbeitende landwirtschaftlicher Betriebe
  1. Insgesamt weniger Fleisch essen und häufiger auf pflanzliche Alternativen rückgreifen
  2. Wenn Fleisch, dann nur aus artgerechter Quelle
  3. Artgerechte Quelle heißt immer mehr: aktiv nachfragen, sich nicht allein auf Label, Wohlfühlbegriffe und schöne Verpackungen verlassen!

Verwandte Quelle

  • Die Agribusiness-Studie von Ernst & Young in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen:

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