Mutterschutz für Kälber und artgerechte Prärie mitten in Niedersachsen: Die „Diepholzer Moorrinder“ von Marco Haferkamp.

Paradies für Weiderinder in Niedersachsen

Zufrieden schmausende Weiderinder und Weidekälber: Diesen Anblick wollte die gesamte Weidefunk-Besatzung sich gönnen: Juliane, Sarah, Lioba und ich fuhren nach Diepholz/Niedersachsen zu Marco Haferkamp und seiner Familie. Gut 150 Limousin Rinder stehen auf seinem Hof, der auf 1649 zurückdatiert wird und sich über eine Fläche von 91 Hektar gemächlich ausbreitet. 

„Niedersachsen-Prärie!“ Schießt uns in den Kopf als wir den Hof ansteuern. Die weitläufige Landschaft der Moorniederung verschluckt das braun-rote Fell der Limousin-Rinder, nur in der Ferne erahnen wir die Tiere. Aber Marco wird uns mitten in diese wesensgerechte Haltung der Tiere mitnehmen. 

Marco Haferkamp & Familie: Aus Überzeugung Mutterkuhhalter

„Damals wurden wir belächelt, aber für mich gibt es keine Alternative zur mutterkuhhaltung!“

Marco Haferkamp

Marco empfängt uns inmitten seiner Arbeit, aus der wir ihn jetzt rausreißen. Der 34 Jahre junge Landwirt ist hauptberuflich Vertriebsleiter eines Pferdefuttermittelherstellers. Bei der Größe seines Hofes darf man sich wundern, wie er dies ohne Mitarbeitende – einzig sein Vater legt tatkräftig Hand mit an – alles wuppt. 

Doch das Prinzip von Marco wird schnell klar: „Hier läuft alles seinen natürlichen Kreislauf – wir betreiben extensive Landwirtschaft sowie freiwilligen Naturschutz aus Überzeugung.“

Die wesensgerechte Haltung seiner eigenen Tiere ist dem Diepholzer Landwirt wichtig. Das Herzstück ist die gesunde Mutterkuhhaltung. Der Betrieb der Haferkamps begann mit dieser Art der Rinderhaltung vor 25 Jahren, und beendete damit ein langes Kapitel konventioneller Milchviehhaltung. „Damals wurden wir belächelt, weil es exotisch war: ‚Wie willst du damit überleben?!‘ Wurden wir gefragt. Aber für mich gibt es da keine Alternative! Und wir haben es ja auch geschafft.“

Emotionen hinter der Direktvermarktung

Marco vermarktet mittlerweile gut 50% seiner Rinder direkt. Doch „Direktvermarktung“ – das sagt sich so einfach. Wir sollten uns einmal vergegenwärtigen, dass dieser Vertriebsweg – also ein Hofladen oder ein kleiner eigener Online Shop bzw. Bestellannahme über die Website – derzeit noch die einzige Chance für Landwirte wie Marco ist, um seine Rinder so zu halten! Die Direktvermarktung sorgt für angemessene Preise und auch dafür, dass die Menschen eben auch sehen können: „Hey, so leben die Tiere hier wirklich!“ Ohne vom Marketing künstlich aufgehübscht worden zu sein.

Aber es ist ein harter Weg, der viel Einsatz und die Leidenschaft dahinter verlangt. Marco führt aus: „Ja, für 50% unserer Rinder haben wir es geschafft: Diese werden in einem nahegelegenen, kleinen Betrieb geschlachtet. Doch der andere Teil unserer Tiere landet noch in den konventionellen Systemen, sprich einem mittelgroßen Schlachthof, das macht mich sehr traurig.“ 

„Wir haben extra ein Transportrind, damit der letzte Weg des Kumpels ein möglichst einfacher und schmerzloser Weg wird.“

Marco Haferkamp

Die Qualität des Lebens ist wichtig, die des Sterbens aber auch. Landwirte wie die Haferkamps wissen das. Für die in die Direktvermarktung gehenden Rinder soll daher auch das Sterben so angstfrei wie möglich erfolgen. Dazu hat der Landwirt extra ein Transportrind erzogen, das mit dem zu schlachtenden Rind auf den hellen und mit Stroh ausgelegten Zweier-Transporter geht und mitfährt. Die Zeit zwischen der Verladung und der Schlachtung dauert nie länger als 45 Minuten. 

„Das ist doch ein Bild für die Götter!“

Marco ist ein ruhiger, sympathischer Typ. Auch seine Frau Joanna verkörpert diese Ruhe. Sie kommt nicht aus der Landwirtschaft, aber steht heute zu 100% hinter ihrem Mann und hilft, wo sie kann. „Mich rührt das sehr, wenn die Kälber geboren werden und dann so zufrieden über die Weiden rasen!“ erzählt sie begeistert. 

Wir wollen mit Marco und seinem Onkel Fred, der an diesem Wochenende zu Besuch ist, zu den Rindern auf die nach hinten liegenden, riesigen Weiden gehen. Am Eingang der ersten Weide schon empfangen uns die ersten Mutterkühe mit ihren Kälbern. Sie ruhten gerade noch im frei zugänglichen Außenstall, der mit Stroh sauber ausgelegt ist. 

Relaxt schaut er sich um: „Limousin-Rinder verfügen über sehr gute Muttereigenschaften!“ erzählt Marco zufrieden. Die Kühe bauen zu ihren Kälbern ausgesprochen enge Beziehungen auf – wenn man sie denn lässt. „Wenn ich mir die jetzt anschaue, Inga, siehst Du: Das sind glückliche, gesunde Tiere. Bei jeder Geburt war ich mit dabei und das bringt mir einfach Spaß!“ Wir schlendern weiter die Weiden entlang, und Marco stößt aus: 

„Das ist doch ein Bild für die Götter! Genau das ist der Grund, warum ich da soviel Lust draufhabe!“ 

Marco Haferkamp

Im Mai, Juni, also in den berühmten Wonnemonaten, kalben die Kühe. Und wenn die Kälber da sind, verstecken diese ihre Kinder häufig im hohen Gras, ein wenig abseits der Herde „Das ist ein Urininstinkt von denen! Aber Du siehst ja selbst – wir haben hier richtig hohes Gras. Und da fällt es schon manchmal schwer, die Kälber direkt zu finden!“ Aber auch hier weiß der naturverbundene Landwirt Abhilfe: eine kleine Australien Shephard Hündin ist der jüngste Zuwachs in der Familie Haferkamp: „Die soll später die Kälber findet, die im hohen Gras liegen.“. 

Die Tiere sind extrem schmusig – untereinander. Zum Menschen hingegen haben sie keinen engen Bezug. Marco möchte ihnen ein so wesensgerechtes Leben untereinander wie nur möglich bieten, da gehört das tägliche Streicheln nicht dazu. Die Kälber werden von ihren Müttern großgezogen, mit allem, was dazu gehört. Auch, dass damit kein Tropfen Milch abgemolken wird – alles bleibt für den Nachwuchs. Gelebtes Kälberwohl. 

„Diepholzer Moorrinder“ Ein gesundes Konzept für Tier und Mensch

Das „Diepholzer Moorrind“

Einen Hofladen haben die Haferkamps nicht. Über das Prinzip des Crowdbutchering verkauft Marco das gesamte Rind, die Kunden können vorbestellen und dann ab Hof die verschiedenen Fleischpakete abholen. Dazu gibt es ausgewählte Spezialitäten wie die reine Rindersalami „Moorknüppel“ oder die Leberwurst namens „Weideschmaus“. Der Deutsche isst ca. 9 kg Rindfleisch pro Jahr. Bei Marco kaufen sie teilweise ihren Jahresbedarf.

Marco hat einen hohen Anteil Wiederkäufer – die Kunden merken eben schnell, mit welcher Qualität sie es hier zu tun haben. Dennoch muss die Werbetrommel gerührt werden. Marco und Fred gehen zum Beispiel auf Gewerbeschauen, um die Produkte der Marke „Diepholzer Moorrinder“ zu bewerben. In den letzten Jahren Jahren wurde der Stammkundenanteil erhöht, aber Marco wünscht sich vertrauensvolle Kooperationen mit Gastronomien und Metzgereien, die eine authentische Marke zu schätzen wissen. 

Besucht die Haferkamps und erlebt die Mutterkuherden!

Die Familie Haferkamp ist nicht nur gastfreundlich zu Weidefunkern – sie wünscht sich Besuch! Denn Marco möchte zeigen, wie Tierhaltung aussehen kann in Zeiten, in denen wir dringend einen Umbruch benötigen. Hier könnt Ihr einen eindrucksvollen Betrieb besichtigen, der seinen eigenen Weg geht und starke Zeichen setzt. Schau es Dir persönlich an:

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